Die Corona-Krise hat den deutschen Handel weiterhin fest im Griff. Doch im März hat sich ein Wandel bemerkbar gemacht: Überwog zu Beginn des Monats noch Chaos und Schockstarre, entstanden Mitte und Ende März erste Lösungsansätze, die auf einen Umgang mit der Krise abzielten. Neben Verbänden und Händler-Verbundgruppen taten sich hier auch die Online-Marktplätze hervor und präsentierten einen Strauß an Sonderkonditionen und Angeboten für von Covid-19 lahmgelegte Händler. Bei Amazon herrschte dagegen im März ein ziemliches Durcheinander: Widersprüchliche Aussagen, eine mangelhafte Kommunikation und ein sehr ärgerlicher Pricing-Bug setzte den ohnehin schon Corona-gebeutelten Händlern kräftig zu. Erst seit der letzten Märzwoche scheint der E-Commerce-Riese eine Strategie für den Umgang mit seinen Marktplatz-Partnern in der Krise gefunden zu haben.
Das Thema des Monats
Amazon FBA-Händler haben einen harten Monat hinter sich. Zuerst stoppte Amazon in Italien und Frankreich den Versand von nicht wesentlichen Produkten. Dann priorisierte der Marktplatz auch in Deutschland den Versand von sogenannten „Essentials“ – und verhängte gegen andere Produkte in den FBA-Lagern einen Annahmestopp. Als nächstes wurde bekannt, dass es in den FBA-Lagern aufgrund der Hygienebestimmungen kein 2-Mann-Handling mehr gibt – weshalb Produkte und Warenanlieferungen mit einem Gewicht von 15kg und mehr nicht mehr bewegt werden. Außerdem stellte Amazon seine Listings auf Preisvergleichseiten ein. Vor allem auf idealo.de finden sich fast keine Amazon-Angebote mehr – und von dem Trafficverlust sind nicht nur FBA-Händler, deren Waren neuerdings vier Wochen Lieferzeit haben, betroffen, sondern auch FBM-Versender, die in der Krise eigentlich besser verkaufen könnten. Und zuletzt macht den Händlern auch noch ein hartnäckiger Pricing-Bug zu schaffen, der zur ungerechtfertigten Löschung von tausenden von Listings führt.
Fast noch schlimmer als die einzelnen Maßnahmen selbst ist für die betroffenen Händler deren mangelhafte Kommunikation seitens Amazons: Die meisten Neuigkeiten erfahren betroffene Händler eher zufällig, meistens durch entsprechende Händlerdiskussionen in den einschlägigen Facebook-Gruppen. Die offiziellen Amazon-Meldungen dazu tauchen im Seller Central oft erst Tage später auf – oder auch gar nicht, wie im Falle des Pricing-Bugs, für den Amazon seinen Händlern immer noch eine Erklärung schuldig ist. „Warum schweigt Amazon?“, fragte deshalb die Internetworld in einem bissigen Kommentar zur schlechten Kommunikationspolitik des Online-Marktplatzes.
Erst seit Ende des Monats scheint bei Amazon etwas mehr Klarheit über den Umgang mit Covid-19 zu herrschen. Seit einer guten Woche werden nicht-essentielle Produkte in den Amazon-Lagern teilweise wieder angenommen – darüber informierte der Marktplatz seine Händler vorab im Seller Central. Zudem konnte sich die Plattform endlich zu einem einigermaßen klaren Statement zum Umgang mit Corona-bedingten Performance-Einbrüchen auf Seller-Seite durchringen: „Angesichts der Auswirkungen von Covid-19 auf viele unserer Verkäufer haben wir Schritte unternommen, um die Effekte dieser Krise auf die Gesundheit Ihres Amazon-Accounts abzumildern, in dem wir unsere Richtlinien bezüglich der Versand-orientierten Performance-Metriken lockern.“ Besonders Corona-bedingte Versandverzögerungen oder stornierte Bestellungen würden bei der Bewertung der Account-Gesundheit berücksichtigt werden. FBA-Händler, deren nicht-essentielle Produkte aktuell verlängerte Lieferzeiten haben, will Amazon zudem entschädigen: In Deutschland, den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und der Tschechischen Republik erlässt Amazon den Händlern unter anderem die FBA-Gebühren für zwei Wochen.
[Weiterlesen…] Infos zum Plugin Marktplatz-Monats-Mashup März 2020 – Corona-Chaos bei Amazon

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