eBay Buybox (Top Pick)

Von: | 27. Juli 2016
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eBay macht scheinbar mit ihrer Buybox ernst, auch wenn sie es „Top Pick“ nennen. Es wurde ja bereits seit langem kolportiert, dass eBay demnächst sein Produktlisting deutlich an Amazon annähern würde. Befürchtet wird, dass verschiedene Anbieter ein und desselben Produkts in eine Produktdetailseite zusammengeführt würden. Derzeit bietet jeder Händler dieses Produkts auf einer eigenen Seite an. Dies hat für Händler den Vorteil, dass diese Seite ein eigenes Layout, nämlich ihres, hat und auch die Produktbeschreibung von jedem Händler völlig individuell angelegt werden kann.

Gut für Händler, meist nervig für Kunden. Schließlich haben sie die Aufgabe, sich aus der Vielzahl an Händlerangeboten, das für sie passendste rauszusuchen. Nach welchen Faktoren, wie Preis, Lieferzeit oder seriöser Eindruck, diese Entscheidung auch immer getroffen wird.

Sollte eBay ihre Buybox bzw. Top Pick analog zu Amazon einführen, hat dies auf den ersten Blick für Händler erst einmal nur Nachteile. Kein individuelles Branding und keine eigenen Produktbeschreibungen, also Positionierung mehr möglich. Er kann sich also nicht mehr durch professionelles Auftreten etc. vom Wettbewerb abheben. Dies trifft natürlich vor allem Händler, die sich mit Standardprodukten gegen viele Wettbewerber messen müssen.

Der Händler würde dann, wie bei Amazon, quasi in der grauen Masse der anonymen Anbieter verschwinden und müsste sich vor allem über den Preis positionieren. Dies führt unweigerlich zum Preiskampf, den immer der Marktplatz gewinnt, auch wenn sie gar nicht mitmischen. Ein weiterer großer Nachteil ist, dass man als Händler nur sehr bedingt Einfluss auf die Produktbeschreibung, den Artikelnamen und Bilder hat, sofern es das Produkt bereits von einem anderen Händler bei Amazon gibt. Machte dieser schlechte oder schlicht falsche Angaben zum Produkt, muss der Händler versuchen in einem aufwendigen Prozess Amazon von diesen Fehlern zu überzeugen. Die Folge: Evtl. wird das Produkt über Amazon, wegen der schlechten Darstellung, gleich gar nicht bzw. kaum verkauft.

eBay Top Pick ist nicht die Amazon Buybox

Auch wenn es sich derzeit scheinbar nur um erste Tests von eBay handelt, kann man doch getrost davon ausgehen, dass eBay Top Pick auch kommen wird. Allerdings zeigen die ersten Screenshots einen deutlichen Unterschied zur Amazon Buybox auf.

Aktuell scheint die Top Pick-Darstellung lediglich in den Suchergebnisseiten, siehe auch Beispiel, eingebunden zu werden. Anschließend wird der Kunde nach wie vor auf die individuelle Händlerseite zum Angebot weitergeleitet. Dies wiederum hat zur Folge, dass Händler weiterhin – im Gegensatz zu Amazon – mit individuellen Produktdarstellungen und eigenem Branding ohne direkten Preisvergleich auf der Produktseite werben kann.

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Aber machen wir uns nichts vor – dies bedeutet nicht, dass sich dies nicht im zweiten Schritt ändern wird. Schließlich muss eBay alles tun, um gegenüber Amazon wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Im Zweifel wird der Kundennutzen sicherlich vor Händlerschicksal gehen.

Viele Marktplatz-Händler fürchten ja, dass eBay immer mehr zu einem zweiten Amazon wird. Mit allen, für Händler, bekannten Nachteilen. Die Einführung von eBay Top Pick scheint die Kritiker zu bestätigen.

Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob eBay Top Pick am Ende des Tages für die Händler wirklich zum Nachteil gereichen wird. Schließlich hat die Übung ja letztlich das Ziel, dass sie mit eBay wieder mehr Umsatz generieren. Und das wird sicherlich der Fall sein, wenn eBays Bemühungen erst einmal fruchten.

Von daher werde ich erst einmal abwarten, wie sich eBays Wandlung weiterentwickelt, bevor ich mir ein Urteil erlaube.

Autorenfoto bewegt sich seit 1997 beruflich im Internethandel, gilt als E-Commerce Experte und verfügt über große gelebte Praxiserfahrung. Er ist Autor mehrerer Fachbücher und einer Vielzahl von Fachartikeln zu allen Aspekten des Onlinegeschäfts. Heute berät und begleitet er vor allem mittelständische Unternehmen im E-Commerce.
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5 Comments

  1. […] Händler sind über die derzeit laufende Einführung des „Top-Picks“ wegen der damit begonnenen und offenbar angestrebten „Katalog-Vereinheitlichung“ wenig […]

    Pingback by Ebay-Kunden != Amazon-Kunden » Blog für den Onlinehandel — 1. August 2016 @ 15:46

  2. Ich weiß nicht, warum ebay hinter amazon herlaufen sollte. Als Marktplatz sind sie eh so groß wie amazon. Ausserdem glaube ich auch weiterhin nicht daran, dass der Kunde immer nur den Billigsten kaufen möchte und der Preis wäre ja dann das einzige Unterscheidungsmerkmal.
    Wer billig kauft, bekommt auch billig

    Kommentar by Jürgen Jenne — 2. August 2016 @ 16:10

  3. Ebay hat schon einige Gründe, warum es derzeit größere Anstrengungen unternimmt, sich gegen Amazon zu wappnen: Amazon gewinnt derzeit viel stärker Händler, es bindet Kunden stärker, seine Relevanz als „Suchmaschine“ bzw. Produktrecherchetool steigt weiterhin, Ebays Umsätze schwächeln…
    Ob das bedeuten muss, es Amazon nachzumachen, sei mal dahin gestellt. Dass es sich bewegen sollte, ist aber schon klar, denke ich. Tatsächlich tut sich ja aber bei Ebay derzeit auch allerhand, also nicht nur das „Top-Pick“.
    Herzlich, Nicola Straub

    Kommentar by Nicola Straub — 3. August 2016 @ 22:56

  4. Wäre wirklich traurig, wenn Ebay sich zum nachäffen hinreißen liese.

    Kommentar by Hantke — 3. August 2016 @ 19:30

  5. […] vor drei Monaten wurde bekannt, dass eBay mit seinem Top Pick ein Pendant zu Amazons Buy Box startet. Einhergehend mit der […]

    Pingback by Einspruch: Vergesst eBay nicht! » Blog für den Onlinehandel — 17. Oktober 2016 @ 06:10

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