Strategische Neuausrichtung bei Rakuten

Von: | 1. Oktober 2012
Strategische Neuausrichtung bei Rakuten, 3.4 out of 5 based on 7 ratings
VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 3.4 (7 Bewertungen )

Rakuten-Händler die bei diesem Titel der Pressemitteilung erschrecken, können erst einmal wieder aufatmen. Die strategische Neuausrichtung bedeutet nicht, dass Rakuten jetzt selbst unter die Händler geht und fortan selbst Ware verkauft. Dennoch wird sich bei Rakuten einiges ändern.

Fernab der heute veröffentlichten Pressemitteilung, versuche ich diese Änderungen mal zusammenzufassen.

Eigenanzeige
shopBENCH – die wahrscheinlich einfachste Möglichkeit besser zu werden

Beim shopBENCH werden die verschiedensten Kennzahlen gemessen. Dadurch erkennen Sie auf einem Blick Schwächen im Vergleich mit dem Wettbewerb und entdecken sofort Optimierungspotentiale. Zusätzlich erhalten Sie garantiert kostenlos eine Einschätzung zum möglichen Wert Ihres Online-Geschäfts!

Jetzt mehr erfahren

Bisher wird Rakutens Marktplatz von Kunden ja eher als Ansammlung verschiedenster Online-Shops wahrgenommen. Mittels diverser shopübergreifender Funktionalitäten soll sich dieses Bild ändern und die Produkte der 6.000 Rakuten-Shops quasi zu einem Angebot aus einer Hand verschmelzen bzw. wahrgenommen werden.

Zu diesem Zweck wird sich gemäß Pressemitteilung etliches ändern. Während einige der genannten Punkte, wie das zentrale Kundenkonto oder die Merkliste nicht wirklich große Auswirkungen haben wird und es die zentrale Bestellhotline, vermutlich schon immer gab, gibt es zumindest zwei Punkte die der näheren Betrachtung bedürfen.

Die Suche: Neben der lokalen Suche im jeweiligen Shop können Kunden ebenfalls shopübergreifend in allen 11 Millionen Produkten aller 6.000 Rakuten Shops suchen.

Screenshot_Rakuten-Connect

Ein konsequenter Schritt, aus Sicht Rakutens. So steht der Kunde im Mittelgrund. Bedeutet, dass der Kunden nicht nur auf dem Marktplatz über alle Shops suchen kann, sondern künftig auch wenn ein Rakuten-Händler seinen eigenen Shop (bei Rakuten) zB. über Online-Marketing bewirbt. Obwohl der Kunde dann erst einmal im beworbenen Händler-Shop landet, könnte er über diese zentrale Suche letztlich bei einem ganz anderen Händler kaufen.

Auch wenn es Rakuten als Gesamtkonstrukt sicherlich hilft den Kunden im „System“ zu halten und so wiederum global betrachtet die Konversionsrate deutlich nach oben hieven könnte, ist es für Händler dennoch ein zweischneidiges Schwert.

Die Pessimisten unter den Händlern könnten argumentieren, dass sie – sollten sie ihren eigenen Online-Shop (Rakuten Mietshop) bewerben – Marketing für andere betreiben. Nämlich dann, wenn er über die zentrale Suche künftig abspringt.

Die Optimisten unter den Händlern sagen möglicherweise, dies sei doch egal. Denn wenn ein Kunde die zentrale Suche, statt der lokalen Shop-Suche, nutzt ist er eh weg, da er offensichtlich im eigenen Shop nicht gefunden hat was er sucht.

Und bevor er, wie sonst, seinen Shop auch verlässt dann aber bei Google weitersucht soll er wenigstens bei einem Rakuten-Kollegen kaufen. Andererseits, profitiert er auf diesem Weg auch einmal von anderen Rakuten-Shops. Und am Ende gleicht sich eh immer alles aus.

Im Zuge der Einführung der zahlreichen neuen Features wurde auch eine Anpassung des
Gebührenmodells nötig, welches den angeschlossenen Händlern bereits heute gemeinsam mit den
neuen Funktionen in einer Sonderausgabe der Händlerzeitschrift Rakuten DREAM vorgestellt wurde.

Rakuten-Gebuehrenmodell

An die Stelle des aktuellen sehr komplizierten Kostenmodells mit unterschiedlichen Vermittlungsprovisionen für Shop (1%) und Marktplatz (2-7%) plus einer umsatzabhängigen Servicegebühr (0,25 – 1,00 €) plus einer Paymentgebühr (3%), tritt eine andere aber ebenso komplizierte Kalkulation.

Fortan entfällt die unterschiedliche Vermittlungsprovision und wird sortimentsabhängig auf 5 – 9% vereinheitlicht. Egal ob es sich um einen eigenen Onlineshop-Kunden handelt oder dieser über den Marktplatz kam. Die Paymentgebühr entfällt genauso wie die Servicegebühr.

Erst einmal also definitiv einfacher zu kalkulieren. Dafür kommen jedoch noch möglicherweise zusätzliche Vermittlungsprovisionen auf die Händler zu:

  • 1% Beteiligung Rakuten Superpunkte (fällt immer an)
  • 1% wenn der Umsatz über einen Affiliate zustande kam (als Beteiligung; Rakuten schüttet sicherlich mehr aus)
  • 1,5% bei Cross-Border-Umsätzen über Rakutens internationale Marktplätze

Geschickter Schachzug oder Zufall – ein genauer Kostenvergleich zwischen der beiden Gebührenmodellen ist nicht möglich.

So kann es in manchen Fällen, insbesondere bei über den Marktplatz vermittelten Orders, für den Händler wohl teilweise deutlich günstiger werden. Vor allem bei den Sortimenten die nun neu reduziert sind. War früher nur Elektronik reduziert, sind es jetzt auch beispielsweise Haushaltsgeräte oder Reifen & Felgen.

In welchen Fällen es teurer wird, lässt sich ob der Komplexität beider Gebührenmodelle auf dem ersten Blick nicht hieb- und stichfest nachvollziehen. Wie es scheint, dürfte dies jedoch bei Umsätzen die über den eigenen (Rakuten-)Onlineshop zustande kommen, öfters der Fall sein. Für aktive Rakuten-Händler sollte die Bewertung anhand ihrer eigenen Zahlen sicherlich ein leichtes sein. Über entsprechende Kommentare freue ich mich.

Persönliche Einschätzung: Ein mutiger Schritt, der nur konsequent ist aber auch nach hinten gehen könnte. Ich gehe jedoch davon aus, dass er sich mittelfristig als richtig – auch für die Händler – herausstellen wird. Auch wenn der Beweis in der Praxis ja noch aussteht, gehe ich davon aus dass die „Neuausrichtung“ Rakuten (und somit auch deren Händlern) ihrem Ziel Amazon abzulösen zumindest näher bringen wird.

Erst einmal könnte es für die Rakuten-Mitarbeiter dennoch heissen: „Ohren anlegen und durch“. Je nachdem, wie die bestehenden Rakuten-Händler reagieren.

Denn abzuwarten bleibt tatsächlich, wie diejenigen Rakuten-Händler abschneiden werden, die bisher in ihrem eigenen Online-Shop für Traffic gesorgt haben. Und nun befürchten müssen, Besucher wegen der neu eingeführten zentralen Suche zu verlieren. Auch hier kann nur die Praxis verbindlich zeigen, wie es sich tatsächlich entwickelt.

BTW: Das Thema Rakuten Superpunkte kann ich ja immer noch nicht wirklich einschätzen. Bringt das nun etwas oder bringt es nichts? Laut Rakutens CEO Beate Rank sei das Superpunkte-Programm sehr erfolgreich und man wolle demnächst auch einmal Zahlen dazu veröffentlichen. Würde mich trotzdem freuen, wenn auch hier ein Rakuten-Händler von seinen Erfahrungen berichtet.

Nachtrag: Erste Händler-Meinungen sind im Sellerforum zu finden.

Autorenfoto bewegt sich seit 1997 beruflich im Internethandel, gilt als E-Commerce Experte und verfügt über große gelebte Praxiserfahrung. Er ist Autor mehrerer Fachbücher und einer Vielzahl von Fachartikeln zu allen Aspekten des Onlinegeschäfts. Heute berät und begleitet er vor allem mittelständische Unternehmen im E-Commerce.
Newsletter abonnieren
Ähnliche Artikel zum Thema

Jetzt unseren kostenlosen Newsletter abonnieren und frei Haus wöchentlich alle neuen Artikel, Tipps und Links für Ihr Onlinegeschäft erhalten. Gleichzeitig erhalten Sie Zugang zu unserem Download-Bereich mit wertvollen Ratgebern, Praxisleitfäden und Fachartikeln!

Keine Datenweitergabe!

Thematisch passende Anbieter und Dienstleister

33 Comments

  1. Huraa
    habe es geschaft:

    Nix mehr Amazon (Schulden mir noch 1900 EUR
    NIX mehr Rakuten (Abzoker ohne Ende)
    Nix mehr Yatego (von Nix kommt Nix)

    kann nur jeden Händler Raten springt ab von diesen Abzoker und Betrüger.
    Wenn alle abspringen gibt es auch keine Verrechner (Neulinge) mehr.

    Kommentar by SRS — 6. Februar 2013 @ 21:44

  2. Da es Rakuten vorzieht, kritische Stimmen aus dem Rakuten-Händlerforum auszuschließen, werde ich mich ab sofort zu den Zuständen (anders kann man es nicht mehr nennen!) bei Rakuten ab sofort öffentlich äußern.
    Konstruktive Kritik wird dort seit Monaten ignoriert. Die im Rahmen der „strategischen Neuausrichtung“ eingeführten Änderungen werden zum Teil so stümperhaft umgesetzt, daß sie den betroffenen Händlern nicht unerheblichen Umsatzschaden zufügen. Hier bleibt es nicht nur bei gravierenden Darstellungsfehlern sondern auch suchmaschinenranking-relevante Fehler wie doppelte Meta-Angaben um nur die 2 gravieresten Beispiele zu nennen. Jedem Rakuten-Händler, der seinem Rakuten-Shop bisher als Hauptshop betrieben hat, sei dringend anzuraten, sich nach einem geeigneteren Shopsystem umzuschauen. Vollmundinge Versprechen von Rakuten von Conversationsrate-Steigerungen von bis zu 20% treffen vielleicht auf das Portal zu. In den einzelnen Shops die ihre Umsätze weitesgehend selbst generiert haben, ist sinkt die Conversionrate erheblich (entsprechende aussagekräftige Nachweise gut laufender Rakuten-Shops liegen mir vor).
    Tradoria war eine super Shop-Lösung für jeden der sich ohne Kenntnisse gerade mal mit dem Internet verbinden kann schnell und einfach einen eigenen Onlineshop eröffnen wollte. Diese Shop-Lösung wurde mehrfach ausgezeichnet. Was unter Rakuten daraus gemacht wurde, hat damit nichts mehr zu tun. Die vollmundige Bewerbung von Rakuten als „ausgezeichnete Shoplösung“ ist aus meiner Sicht irreführend…

    Kommentar by Jens Streubel Internetservice — 18. Februar 2013 @ 11:02

  3. Wir sind froh, dass wir Rakuten nur als Nebenshop betreiben. Wir haben dort nie viel Geld zu Tradoria-Zeiten generiert. Allerdings müssen wir feststellen, dass das nach Übernahme von Rakuten nochmals deutlich abgenommen hat.
    Momentan können wir das nur als zusätzliche Linkmöglichkeit zu unserem Hauptshop sehen, da wir mit den jetzigen Umsätzen nicht draufzahlen, aber auch nicht wirklich verdienen.
    Das neue Shopfrontend hat übrigens heute plötzlich beschlossen, dass wir in unserem Rakutenshop in keiner Kategorie mehr Artikel haben. Im Marketplace sind sie aber noch vorhanden. Saubere Umsetzung sieht anders aus.
    Vor kurzem war der Shop eine längere Zeit sogar offline.
    Das ist alles sehr unerfreulich. Wie erwähnt für uns nicht schlimm, aber mir tun die Händler leid, die mehr darauf angewiesen sind.
    Vielleicht stellt sich das in den verschiedenen Branchen auch unterschiedlich da. Unsere Erfahrungen beziehen sich auf Toner und Druckerzubehör.
    Vergessen darf man auch nicht, dass das Rakutenkonzept in Japan sehr gut aufgegangen ist. Abwarten.
    Erstaunlich fand ich übrigens noch, dass rakuten.de einen Pagerank von NULL hat.

    Kommentar by Seb von Baseline Toner — 18. Juni 2013 @ 21:24

  4. Ergänzend zu meinem Kommentar möchte ich nun 7 Monate später erwähnen, dass wir inzwischen so gut wie keine Umsätze mehr generieren (ca. 120.-€ Gesamt). Also zahlen wir drauf und werden noch dieses Jahr schauen, ob sich etwas bei Rakuten bewegt. Ansonsten muss gekündigt werden. Ob es Branchen/Händler gibt, die dort verdienen weiß ich nicht. Wenn ich aber im Netz die Diskussionen sehe, scheint das Projekt Rakuten erst mal gescheitert. Eigentlich Schade, denn wer will schon eine Monopolisierung?

    Kommentar by Seb-Baseline Toner — 7. Februar 2014 @ 13:54

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.


Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.