Local Heroes: Was bedeutet „Same-Day-Delivery“ für den stationären Handel?

Von: | 24. August 2012
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Es wirkt, als hätten sich die weltgrößten E-Commerce-Konzerne abgesprochen: Im Abstand von nur wenigen Tagen präsentierten sowohl Ebay wie auch Amazon und Google ihre Pläne für einen Lieferservice noch als Bestelltag, also eine „Same-Day-Delivery“. Man kann daher ausgehen, dass ein solcher Instant-Lieferservice in den Chefetagen der betreffenden Unternehmens als eine „Killer-Applikation“ betrachtet wird, die in den nächsten Jahren im Handel eine wichtige Rolle einnehmen dürfte.

Doch was bedeutet die „Same-Day-Delivery“ für den stationären Einzelhandel? Sieht sich dieser durch immer kürzere Versandzeiten in seiner Existenz bedroht? Oder bieten Express-Lieferungen auch für den Stationärhandel die Möglichkeit, an einer fortschreitenden Integration der Kanäle On- und Offline teilzuhaben?

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Die Antwort ist wie so oft ein entschlossen „Jein“. Um das klarer zu machen, lohnt sich ein Blick auf die unterschiedlichen Modelle:

Ebay Now

Ausgewählte Beta-Tester können seit Anfang August im Großraum San Francisco über die Smartphone-App Ebay Now Produkte von Händlern, die auf dem zu Ebay gehörenden lokalen Vergleichsportal Milo.com gelistet sind, bestellen und erhalten diese idealerweise innerhalb von einer Stunde zugestellt. Zu den Teilnehmern des Pilotversuchs zählen führende US-Retailer wie Best Buy, Macy’s, Toys’R’Us und Target. Der Lieferservice steht tagsüber von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends zur Verfügung und nimmt Bestellungen bis eine Stunde vor Ladenschluss entgegen. Der Mindestbestellwert beträgt 25 Dollar, die zusätzlichen Versandkosten 5 Dollar. Wie das Unternehmen erklärt, steht Ebay Now in keinem direkten Zusammenhang mit dem Online-Angebot von Ebay, sondern versteht sich als eine Dienstleistung für den stationären Handel. Der Plattform-Gedanke des Ebay-Marktplatzes wird dabei auf den lokalen Handel übertragen, um den Konsumenten eine zusätzliche Komfort-Stufe im Couch-Commerce zu bescheren.

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Einen Blick in die „Ebay Now“-App gibt es bei TechCrunch

Google Delivery

So wie Ebay seine Plattform-Idee im stationären Umfeld weiterdenkt, versteht sich auch Googles Lieferservice Google Delivery als Fortsetzung der Intermediärs-Rolle des Suchmaschinen-Konzerns auf der lokalen Ebene. Wie das Wallstreet Journal Ende 2011 berichtete, geht es bei dem geplanten Service darum, auf Google Shopping gelistete Produkte von stationären Händlern möglichst rasch zu den Konsumenten zu bringen. Auf Händlerseite haben bereits die Retailer Macy’s, Gap und Offive Max Interesse signalisiert. Im Hinblick auf die logistische Umsetzung des Lieferdienstes wird erwartet, dass Google mit dem Versanddienstleister United Parcel sowie lokalen Kurierdiensten zusammenarbeiten könnte. Auch bei dem Google-Projekt wird die Lieferung noch am Bestelltag angestrebt. Eigene Waren plant Google nicht zu verkaufen, sondern setzt ganz auf die Zusammenarbeit mit dem stationären Retail.

Amazon

Das Bekanntwerden von Amazons Plänen zur Same-Day-Delivery geht auf einen Beitrag des Web-Magazin Slate zurück. Demzufolge baut der weltgrößte Onlinehändler derzeit seine Versandlogistik zu einem Netzwerk kleinerer Versandzentren um, das es in vielen US-Ballungsräumen ermöglichen würde, noch am Bestelltag zu liefern. Anlässlich der Präsentation der Amazon-Halbjahreszahlen hat der Finanzchef des Unternehmens, Tom Szkutak, allerdings mit Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit der Same-Day-Delivery dem Vorstoß fürs erste einiges an Dringlichkeit genommen. Allerdings bietet Amazon in Europa, wo das Logistik-Netz bereits deutlich weiter entwickelt ist, bereits die Lieferung am Bestelltag via „Evening Express“. Zudem baut der Onlinehändler, wie Exciting Commerce zeigt, auch hierzulande sein Versand-Netzwerk markant aus.

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Die Amazon-Logistikstandorte in Deutschland

Für Amazon, das sowohl Händler wie auch Marktplatzbetreiber ist, wäre beim Thema Same-Day-Delivery auch ein Plattformmodell denkbar, dass den lokalen Handel miteinbezieht. Den ersten Berichten nach zu urteilen, dürfte es sich bei Amazons Express-Lieferung allerdings um ein Logistik-Feature handeln, das vor allem das eigene Geschäft gegen die stationäre Konkurrenz stärken soll. Möglich wäre allenfalls, das auch Drittanbieter, die den Dienst Fulfillment by Amazon nutzen, ebenfalls die Versandoption Same-Day-Delivery anbieten könnten.

Gegen den Handel oder mit dem Handel?

Wie wir an dieser Stelle bereits ausgeführt haben, handelt es sich bei den Plänen von Amazon letztlich um eine Strategie, den stationären Handel überflüssig zu machen. Dazu passt auch eine Reihe zusätzlicher Initiativen im Logistik-Bereich wie die Aufstellung eigener Abholstationen, die Übernahme des Lager-Roboter-Hersteller Kiva oder die Zusammenarbeit mit dem britischen Paketshop-Verbund Collect+.

Dass Same-Day-Delivery allerdings nicht immer gegen den lokalen Handel gerichtet sein muss, zeigen die Beispiele Ebay und Google. In diesen Fällen entsteht dem Einzelhandel keine zusätzliche Konkurrenz, sondern wird dieser vielmehr in die Lage versetzt, ein ähnliches Komfort-Niveau zu bieten wie der Onlinehandel.

Dass das nicht von heute auf morgen möglich wird, ist naheliegend. So hat t3n darauf hingewiesen, dass Same-Day-Delivery gar nicht in die aktuellen Prozesse der Versanddienstleister passt und auch wirtschaftlich – sowohl für Kunden wie für Händler – wenig Sinn macht. Doch sollte man die Pläne und Testläufe zur Same-Day-Delivery auch eher als Blick in die Zukunft des Einkaufens verstehen. Denn dass Aspekte wie Individualisierung, Transparenz, Verfügbarkeit und Geschwindigkeit im Zuge der Digitalisierung des Versandhandels immer wichtiger werden, hat nicht zuletzt auch der Logistiker DHL in seiner Studie „Delivering Tommorrow“ über „Kundenerwartungen im Jahr 2020 und darüber hinaus“ (PDF) festgestellt.

Das Fazit für den Handel

Für den Einzelhandel bedeutet Same-Day-Delivery daher nicht, dass er bereits morgen einen Großangriff von Amazon und Co. befürchten muss. Dennoch bekräftigt das Thema einmal mehr die Dringlichkeit der Lastenliste, die jeder Händler mit stationären Ladengeschäften möglichst rasch abarbeiten sollte. Dazu gehört es u.a., Warensortimente im Netz abbildbar zu machen, seine Verkaufsargumente adäquat online zu präsentieren und generell seine Geschwindigkeit, sein Service-Niveau und seine Fachkompetenz zu erhöhen. Wer sich rechtzeitig mit diesen Aufgaben auseinandersetzt, wird es nicht nur leichter haben sich mit dem Wandel ins Digitale zu arrangieren, sondern wird eines Tages vielleicht auch vom Angebot einer Lieferung am Bestelltag profitieren können.

Unter dem Motto „Local Heroes“ veröffentlicht Shopanbieter.de in regelmäßiger Folge besonders spannende Beispiele für die Verknüpfung von Onlinehandel und stationärem Geschäft.

Bisher erschienen:

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Case Studies von Unternehmen wie beispielsweise mStore, Emmas Enkel, Fashion for Home, Mister Spex und MyMuesli verdeutlichen, wie Händler mit innovativen Handelskonzepten erfolgreiche Online-/Offline-Integration betreiben können.
Autorenfoto ist seit Mitte der 90er Jahre als Journalist tätig und betreute von 2006 bis 2011 als Fachredakteur eines Branchenmagazins die Themen E-Commerce- und Einzelhandel. Seit 2012 ist Matthias als Journalist, E-Commerce Experte und Buchautor selbstständig und dabei für eine Reihe namhafter Fachpublikationen, Weblogs sowie Unternehmen tätig.
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6 Comments

  1. Klasse Artikel. Der stationäre Handel sollte bzw. muss seine Waren online bringen. Zumal die lokalen Anbieter auch einen gewissen Vertrauensvorsprung haben. Ist zwar kein sehr passendes Beispiel, aber ich würde sehr gerne beim Bäcker meines Vertrauens online bestellen und es dann a) geliefert bekommen oder b) eben abholen. Ich weiß schließlich wo ich die Ware am schnellsten bekomme.

    Kommentar by Jonas Wendler — 29. August 2012 @ 11:36

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