250 Millionen US-Dollar investiert die chinesische Finanzgruppe Hillhouse Capital in das Open-Source-Shopsystem Magento. Das hat sich im letzten Jahr zur am häufigsten genutzten E-Commerce-Plattform der USA gemausert. 90 Prozent der User nutzen allerdings die kostenlose Community-Edition.
Soviel Vorwärtsdrang wurde jetzt in einer aktuellen Finanzierungsrunde belohnt: Die chinesische Management-Firma Hillhouse Capital Group stieg als Neu-Investor ein und versah das Open-Source-System mit einer Finanz-Spritze von 250 Millionen US-Dollar – zu einer Bewertung von satten 700 Millionen US-Dollar. Durchaus ein Pfund angesichts der Tatsache das 90 Prozent der Magento-User nichts für die Nutzung der Software bezahlen, sondern ihren Shop auf Basis der kostenlosen Community-Edition betreiben. Die Fabel-Bewertung passt allerdings zum aktuellen Trend, der auch die Millionendeals rund um Shopify, Demandware und Stephan Schambachs NewStore einschließt.: Shop-Technologie wird derzeit hoch gehandelt, wie Jochen Krisch auf Exciting Commerce zusammenfasst.
Viel Licht wirft auch Schatten: Kritik aus der verunsicherten Community
Bei aller Begeisterung über die Millionenbewertung und die rasende Geschwindigkeit des Magento-Schnellboots sollte nicht vergessen werden, dass auch das eigentlich gute Magento-Jahr 2016 seine Tiefen hatte: Vor allem die Einführung von Magento 2 stieß auf Kritik aus der Nutzerschaft: Zu schnell, zu überhastet sei die neue Version auf den Markt geworfen worden, hieß es, die Foren überschlugen sich mit Bug- und Fehlermeldungen. Auch die die Vereinfachung des Systems wurde von mancher Seite kritisiert; schließlich sei doch gerade die hohe Anpassbarkeit, die vielen Individualisierungsmöglichkeiten das entscheidende Asset des Systems. Zuletzt bestand nach der Einführung von Magento 2 auch Unsicherheit darüber, ob die kostenlose Community Edition des Systems langfristig weiter entwickelt werden würde. Auch die Sicherheitslücken in Magento sind immer wieder ein Thema.
2017: Mehr Personal, mehr Expansion, mehr Omnichannel
Diese Unsicherheiten will Magento 2017 nun hinter sich lassen. Das OS-System will seine internationale Expansion vorantreiben – vor allem in Asien dürfte der neue Investor einige Türen öffnen. Mehr Personal für Vertrieb, Kundenservice und das Account-Management soll zu einer besseren Kundenbetreuung führen und Probleme beim Einrichten und Verwalten der Software schneller ausräumen – das dürfte vor allem die User-Community gern hören. Aber auch der Ausbau des System von einem Shop-System zu einer kanalübergreifenden Commerce-Plattform wollen die Magento-Macher – ganz im aktuellen Omnichannel-Zeitgeist – in diesem Jahr vorantreiben.
Bild: Magento