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Tag X vor dem Paketkollaps: Wie die Zukunft der „letzten Meile“ aussehen könnte

Von: | 9. Januar 2018 | Backoffice & Logistik
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Wochenlang geisterte das Schreckgespenst „Paketkollaps“ durch die Fachmedien – doch letztlich ist das letzte Weihnachtsgeschäft bemerkenswert unspektakulär über die Bühne gegangen. Die Paketdienstleister berichten einhellig von einer zwar herausfordernden, aber letztlich lösbaren Aufgabe. Und auch in den einschlägigen Facebook-Gruppen fällt das Händlerfeedback eher unspektakulär aus: Geringfügig verlängerte Laufzeiten, der eine oder andere Paketausfall, etwas gravierendere Störungen in den DHL-Logistikzentren von Bremen und Hamburg (die aber wohl vor allem mit technischen Störungen zusammenhingen, nicht unbedingt mit dem erhöhten Paketvolumen)… das war‘s auch schon. Ist das Logistik-Problem damit abgehakt?

Mitnichten. Dass der Kollaps im letzten Weihnachtsgeschäft ausgeblieben ist, dürfen sich die Paketdienstleister zwar durchaus auf die Fahnen schreiben: Mit großen Anstrengungen wurden noch rechtzeitig Personal und Fuhrpark aufgestockt, offenbar mit Erfolg. Allerdings kam der E-Commerce in diesem Jahr wohl vor allem aufgrund der milden Wetterbedingungen ohne blaue Augen davon. Bei Schneesturm und vereisten Straßen hätte die Bilanz sicher anders ausgesehen.

Außerdem gilt für das Logistik-Problem: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das Paketvolumen wächst schließlich gemeinsam mit dem E-Commerce-Anteil am Gesamt-Handelsumsatz weiterhin stetig an. Bis 2021 wird die Zahl der jährlich beförderten Sendungen wohl um eine gute Milliarde auf dann 4,15 Milliarden ansteigen, schätzt der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BIEK). Und irgendwann wird das Ende der Ressourcen an Paketboten, Lieferfahrzeugen, Parkplätzen und Straßen letztlich doch erreicht sein. Und was dann?

Logistik ist „in“

Das Gute am kräftig spukenden Schreckgespenst „Paketkollaps“: Es hat viele Branchenteilnehmer genug aufgeschreckt, um sich endlich ernsthaft über Alternativen zur heutigen Zustelllogistik Gedanken zu machen. Auf breiter Front wird aktuell über Zustelldrohnen und Lieferroboter, über Lieferung in den Kofferraum oder Pakettransport per Lastenfahrrad diskutiert und über die Sinnhaftigkeit von Mikrodepots versus Packstationen oder Paketshops diskutiert.

Dabei reicht die Diskussion inzwischen auch über die Fachkreise hinaus: Politiker beschäftigen sich mit Förderungen für Elektromobilität in der Zustelllogistik. Stadtplaner setzen sich mit Parkflächen für Paketlaster oder Stellflächen für stadt-nahe Mini-Logistikzentren auseinander. Auch die Verbraucher werden über die Publikumsmedien immer mehr in die Debatte miteinbezogen – schließlich wird von immer mehr Parteien mehr oder weniger lautstark das Ende der kostenlosen Zustellung bis zur Haustür gefordert. (Weiterlesen…)

 

Paketkollaps: Adé letzte Meile?

Von: | 20. November 2017 | Backoffice & Logistik
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Dieses Jahr könnte es in Sachen Weihnachtslogistik richtig eng werden. Die Paketdienstleister sind jetzt schon am Anschlag, tausende Stellen für Paketfahrer sind weiterhin unbesetzt und vor allem an belebten Standorten platzen die Packstationen aus allen Nähten. Und im Weihnachtsgeschäft werden wohl 30 Millionen Pakete mehr als im Vorjahr auf die Reise gehen.

Bild: josefkubes @ bigstock

Bild: josefkubes @ bigstock

Wenn es unterm Weihnachtsbaum also lange Gesichter gibt, sei das hauptsächlich die Schuld der Logistik-Dienstleister, argumentieren einige Branchenbeobachter. Für Jochen Krisch, der schon seit diesem Sommer vor einem Paketkollaps zu Weihnachten warnt, ist klar: DHL, Hermes und Co. haben die Wachstumsdynamik des E-Commerce seit Jahren unterschätzt – und werden jetzt von einer Welle überrollt, die sie nicht mehr beherrschen können. Andere Experten wie auch Claus Fahlbusch, CEO des Versandschnittstellen-Anbieters shipcloud, sind der Ansicht: In einem Tsunami kann man nicht surfen.

Herr Fahlbusch, 30 Millionen Pakete mehr werden in diesem Weihnachtsgeschäft auf die Reise gehen als letzten Jahr. Steuern wir auf einen Paketkollaps zu oder haarscharf dran vorbei?

Claus Fahlbusch: Ich gehe davon aus, dass wir nahe an den Kollaps herankommen. Wie nahe, hängt noch von der Wetterlage ab. Wenn es im Dezember viel Schnee und glatte Straßen gibt, kriegen wir es dieses Jahr wohl nicht mehr gewuppt und unterm Baum werden einige Päckchen fehlen. Die meisten Paketdienstleister sind mit ihren Kapazitäten komplett am Anschlag.

Aber warum? Die E-Commerce-Wachstumsraten sind doch seit Jahren stabil zweistellig, das steigende Paketvolumen war also leicht vorauszuberechnen.

Fahlbusch: Ich glaube schon, dass die Paketdienstleister versucht haben, sich auf das Volumen einzustellen, aber man trifft einfach auf eine physikalische Grenze. Man findet keine Fahrer mehr, die Straßen sind verstopft, auch Standorte für Paketshops oder Packstationen gibt es nicht wie Sand am Meer. Über natürliche Grenzen kommt man auch mit guter Planung nicht hinaus.

Naja, die DHL liegt in jedem Fall unter ihrer eigenen Planung, was die Zahl der Paketstationen angeht…

Fahlbusch: Mehr Paketstationen hätten das Problem auch nicht gelöst. Die sind platzmäßig begrenzt und nicht auf die Paketgrößen ausgerichtet, die heutzutage versendet werden. Jedes Windelpaket ist größer als die Standardfächer einer Packstation.

Aber was würde das Problem dann lösen?

Fahlbusch: Man könnte es zumindest deutlich entschärfen, wenn die letzte Meile in Zukunft an einem zentralen Sammelpunkt enden würde und nicht an der Haustür. Die Haustürlieferung mit ihren ganzen Unwägbarkeiten – der Fahrer kann nirgends parken, der Kunde ist nicht zuhause, Verkehrsströme behindert die Zustellung in kleinen Zeitfenstern etc. – wird auf Dauer nicht mehr funktionieren. Stattdessen könnte der günstige Versand zu einer Sammelstelle, sei es an der Tankstelle, im Supermarkt oder im Paketshop, von der der Kunde seine Pakete selbst abholt, der kostengünstige Standard werden – und die Einzelzustellung bis an die Haustür wird dafür zum teuren Extra-Service. (Weiterlesen…)