Concept Malls als stationäre Antwort auf den E-Commerce-Boom

Von: | 16. April 2014
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Anders als manch anderer E-Commerce Experte glaube ich ja nicht daran, dass künftig 80% aller stationärer Händler überflüssig werden und noch weniger an die gar unterschwellig formulierten 100%-E-Commerce-Anteil.

Ich denke, da vergaloppiert sich so mancher bzw. vergisst dass auch für den stationären Handel, wenn auch langsam, neue Konzepte und Technologien entstehen und sich noch langsamer durchsetzen. Gleichzeitig ist das Konsumentenverhalten überhaupt nicht  abzuschätzen. Klar, momentan spricht alles für den Onlinehandel.

Doch wer kann schon vorhersagen, ob die Käufer dessen nicht eines Tages – zumindest teilweise – überdrüssig werden und sich wieder nach dem Shopping-Erlebnis in der City als Freizeitbeschäftigung sehnt? Auch klar, dass sich der Handel dafür einiges einfallen lassen und endlich mal aus den Pötten kommen muss. Aber ist der Schmerz nur groß genug …

Doch sehen wir es mal ganz pragmatisch – angenommen Sie suchen eine Schraube für spezielle Anforderungen. Im Baumarkt finden Sie diese nicht und im Internet auch nicht. Als Nicht-Schraubenfachmann tun Sie sich auch schwer nach dem richtigen Fachbegriff zu suchen. Da hilft nur eines, der Weg zum stationären Fachhandel.

In München, wäre das beispielsweise Schrauben Preisinger am Viktualienmarkt. Die führen natürlich fast alles an „normalen“ Schrauben. Beginnend ab 1mm Durchmesser. In fast allen gängigen Materialien. Dazu viele Sonder-Artikel im Schrauben-Bereich. Alles in allem ca. 40.000 verschiedene Artikel und ständig kommen neue hinzu.

Schaut man sich deren Website an, möchte man am liebsten davonlaufen und trotzdem ist deren Laden ständig rappelvoll mit Handwerkern und Privatpersonen. Und warum – erstens haben sie entweder jede Schraube oder kennen zumindest jede Schraube und können sie besorgen oder wissen wo man sie bekommen könnte. Und als bereits zitierter Nicht-Schraubenfachmann und auch Nicht-Handwerker, kann man deren Mitarbeiter einfach schildern, welches Problem man hat und sie finden  in der Regel die passende Schraube. Und dieser Laden, soll also künftig vom Internet abgelöst werden? – so, so.

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Oder nehmen wir doch mal „Nostalgie im Kinderzimmer“. Gestartet als kleiner Laden in einer sehr unauffälligen Strasse am Rande von München, mit sehr ausgewählten Produkten für das Kinderzimmer. Richtig ist sicherlich, dass der Umsatz mittlerweile hauptsächlich von deren Onlineshop getragen werden dürfte. Dennoch hat der Laden seine Lebensberechtigung und es ist davon auszugehen, dass er sich nach wie vor trägt. Möglicherweise, sogar mehr denn je, da ja auch die Webpräsenz für verstärkte lokale Aufmerksamkeit sorgt.

Schaue ich mir alleine in meiner Stadt die vielen kleinen und interessanten Läden an, frage ich mich als städtebaulicher Laie ja schon seit Jahren, warum die großen und bekanntermaßen unrentablen Kaufhäuser nicht einfach, zumindest einen Teil, ihre Verkaufsflächen in 1A-Lage in kleinen Parzellen an kleine Pächter und als Popup-Stores für Internethändler untervermieten. Das Ergebnis wären vergleichsweise hohe Mieteinnahmen und eine vielfach gestiegene Attraktivität der eigenen Verkaufsflächen. Denn wer hat schon Lust in die Stadt zu gehen, nur um drei H&M-, zwei Zara-Läden etc. in nur einer Strasse zu besuchen?

Aber zurück zum Titel „Concept Malls“ – in Berlin gibt es jetzt Bikini Berlin. Eine Ansammlung von sorgsam kuratierten und aufeinander abgestimmten Boutiquen, Concept- und Flagship Stores sowie Gastronomie- und Dienstleistungsanbietern. Keine Ahnung, ob das Bikinihaus schon der Weisheit letzter Schluss ist, doch das ist die Art Zukunft, wie ich sie für den stationären Handel sehe.  Lesenswert in diesem Zusammenhang, übrigens auch unsere zeitlose Local heroes-Serie.

Und wenn der stationäre Handel jetzt noch aufwacht und endlich die vorhandenen Möglichkeiten des Online-Marketings, wie dieses oder jenes nutzt, sehe ich die Zukunft der Handelswelt eher als City Revival 2.0 denn als E-Motion 1.0, um bei den Begrifflichkeiten der letzte Woche veröffentlichten Studie des IFH Köln – Handelsszenario 2020 zu bleiben. Wobei ich ja momentan glaube, dass sich der E-Commerce-Anteil langfristig bei ca. 100 Mrd. Euro einpendeln sind. Immerhin noch um die 25% vom gesamten Einzelhandelsumsatz, aber dennoch halt keine 100%.

Disclaimer: Ja, ich bin vielleicht schon einer der Altvorderen die nicht an alles Neue glauben. So habe ich bereits vor ein paar Jahren in kleineren Runden prognostiziert, dass der Einfluss sozialer Netzwerke wie Facebook eines Tages wieder deutlich abnehmen wird. Ganz einfach, weil die Menschen sprich Konsumenten irgendwann keine Lust mehr darauf haben und sich lieber wieder persönlich mit ihren Freunden austauschen werden, als immer nur Nachrichten in eine kleine schwarze Box zu tippen. Damals erntete ich eher mitleidiges Lächeln, heute wahrscheinlich auch noch. Aber das Schöne ist ja, dass niemand weiß wohin sich der Zeitgeist entwickeln wird. Ist wie mit dem Wetter. Und vielleicht werde ich am Ende ja doch noch recht behalten. 😉

Autorenfoto bewegt sich seit 1997 beruflich im Internethandel, gilt als E-Commerce Experte und verfügt über große gelebte Praxiserfahrung. Er ist Autor mehrerer Fachbücher und einer Vielzahl von Fachartikeln zu allen Aspekten des Onlinegeschäfts. Heute berät und begleitet er vor allem mittelständische Unternehmen im E-Commerce.
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