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Einspruch: Wetten, dass es so mit Shopware Connect wieder nichts wird?

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Das Shop-Netzwerk Shopware Connect geht nochmal an den Start. Trotz der hohen Teilnehmerzahlen zum Start, glaube ich im aktuellen Status quo nicht an einen durchschlagenden Erfolg: Technisch ist es top, aber am Konzept muss noch nachgebessert werden.

Als ich im April 2011 erstmals von dem Shopware Connect-Projekt hörte, war ich begeistert. Schien doch meine bereits ein paar Jahre vorher erstellte Blaupause eines Shop-Netzwerkes Wahrheit zu werden.

Zwei Namenswechsel und sicherlich etliche Entwickler-Mannmonate später, erblickte Shopwares Vernetzungsplattform für Händler zwei Jahre später dann unter dem Namen Bepado das Licht der Welt. Ich war immer noch begeistert, sah es jedoch damals bereits eher als Plattform für die Kommunikation und den Datenaustausch zwischen Hersteller, Händler und ggf. Publisher.

An das Händler-Händler-Ding glaube ich nicht und habe es nie getan, siehe meine seinerzeitige Einschätzung:

Hier werden sich viele Themen auftun, auf die schnell und adäquat reagiert werden muss. Beispielsweise, wenn ein Händler seine zugesagten Lieferzeiten nicht einhält, Retouren schlecht oder gar nicht abwickelt und sich dies geschäftsschädigend auf den Partnerhändler auswirkt. Oder wie hält man sich schadlos, wenn mir der Partnershop abmahnfähige Produktdaten bereitstellt?

Generell scheinen die Händler als künftige Nutzer der größte Unsicherheitsfaktor zu sein. Sehen sie vor allem die Chancen, die sich daraus ergeben oder schauen sie ausschließlich auf die durchaus vorhandenen Risiken und Herausforderungen?

Gleichzeitig, ist jedoch noch völlig offen welche Anwendungsbereiche sich, quasi als Nebeneffekt, aus Bepado ergeben.

Nachdem das Projekt für die Öffentlichkeit in letzter Zeit dahindümpelte, geht Shopware Connect jetzt nochmals an den Start. Und kann durchaus mit Erfolgszahlen aufwarten: „… bereits in den ersten Tagen haben sich über 700 Nutzer angemeldet und mehr als 30.000 Produkte hochgeladen.

Wird aber diesmal so wieder nicht klappen

Ich schätze Shopware als innovative Shop Software-Schmiede, liebe jeden einzelnen meiner Shopware-Kontakte und freue mich jedes Jahr auf den Shopware Community Day bzw. seine legendäre Strandparty. Aber warum sie jetzt schon seit Jahren ein totes Pferd reiten, kann ich nicht nachvollziehen. Wobei in diesem Fall das Pferd ja nicht mal tot ist. Nur reiten sie es dauernd in einem Canyon ohne Ausgang und glauben dabei in der freien Prärie zu sein.  

Nicht die Technik, sondern die Händler sind die Herausforderung

Ich durfte diese Woche, während der dmexco in Köln, die neueste Version, also den nächsten Versuch, sehen. Die Funktionen sind sauber und logisch gelöst und Shopware Connect ist für den Händler sehr einfach zu bedienen. Aus technischer Sicht ein gelungenes Stück Arbeit und sehr durchdacht. Das Ergebnis langjähriger Erfahrung auf hohem Niveau also.

Die große Herausforderung ist aber nun mal nicht technischer Natur, sondern das sind die Akteure, also die Händler. Ein paar Stolperfallen habe ich ja bereits vor zwei Jahren skizziert. Ein paar weitere Szenarien, die mir bei der dmexco-Vorführung spontan einfielen:

Bei weiterem Überlegen würden mir sicherlich noch etliche weitere Stolperfallen einfallen. Das lässt sich sicherlich alles irgendwie regeln bzw. obliegt auch der kaufmännischen Sorgfaltspflicht der Akteure. Schließlich handelt es sich ja letztlich um eine ganz normale Lieferanten-Händler-Beziehung.

So sieht es auch Shopware und wird sich – Stand heute – in diese Beziehung nicht einmischen, sondern stellt „nur“ die technische Plattform bereit.

Und das wird nicht klappen! Marktplätze funktionieren doch unter anderem, weil diese kontrollierend und regulierend steuern und notfalls eingreifen.

Ich habe jetzt schon den Aufbau von zwei Marktplätzen – auch operativ – begleitet. Auch aus dieser Erfahrung heraus, kann ich mir nicht vorstellen, dass es mit Shopware Connect in dieser Form etwas wird. Sofern sich Shopware auf die technische Rolle begrenzt und die Händler untereinander einfach machen lässt. Ich glaube auch, dass Shopware in den ersten Jahren die Akteure stark „animieren“ werden muss, auf der Plattform Aktion zu machen und im Sinne des Erfinders zu nutzen.

Dass Händler sich anmelden und Produkte einstellen genügt ganz einfach nicht. Es muss ihnen verinnerlicht werden, welche Chancen und Potentiale in Shopware Connect schlummern, wenn es vernünftig genutzt wird und es eben nicht nur heißt: „Ach ja, ich stelle jetzt mal meine Produkte ein und schlage die Transaktionsgebühr für Shopware Connect einfach auf meinen Verkaufspreis drauf. Dann sehe ich ja was passiert. Kann nicht schaden und ist kein Aufwand.

Händler müssen erst einmal angeschoben werden, bevor sie sich bewegen. Ist aber auch kein Wunder, schließlich hat auch ihr Tag nur 25 Stunden.

Wetten, dass es so kein großes Ding wird?

Sollte ich Unrecht haben, trete ich zum nächsten Shopware Community Day gerne den Gang nach Ahaus im Büßergewand an. Shopware, schlägst Du ein?

Aber egal wie es kommt – ich werde hoffentlich dennoch schon bald von den ersten Transaktionen und Händlererfolgen bei Shopware Connect berichten.

Bildquelle: Gang nach Canossa, sulupress by fotolia