idealos Direktkauf-Funktion unter die Lupe genommen

Von: | 6. Mai 2015
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Bereits im Sommer letzten Jahres berichteten wir, dass idealo scheinbar mit einer Marktplatzfunktion für deren Preisvergleichsportal liebäugelt. Auch wenn damals bereits klar war, dass idealo es durchaus ernst damit meint, wurde dies von Deutschlands führendem Preisvergleicher seinerzeit noch als nur einer von mehreren ständigen Tests abgewiegelt, um Händler künftig noch besser unterstützen zu können. Anfang der Woche hat idealo nun zwar keinen Marktplatz, jedoch eine Direktkauf-Funktion, für alle ihre knapp 35.000 Händler geöffnet.

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idealo Direktkauf bald wichtiger Marketingkanal?

Endverbraucher werden dann bei Produkten teilnehmender Händler bei Interesse nicht mehr in die Händler-Shops geleitet werden, sondern können das Produkt direkt in idealo beim Händler kaufen.

Dies bedeutet auch, dass etwaige CPC wegfallen und an deren Stelle ein CPO fällig wird. Besonders interessant für Händler: Dieser CPO wird natürlich, im Gegensatz zu den CPC, nur fällig wenn tatsächlich ein Kauf stattfindet.

Für Online-Händler könnte sich idealos Direktkauf, auch da sehr gut kalkulierbar, als sehr gute Marketingalternative entwickeln. Dies wird man letztlich vor allem an zwei Punkten festmachen können:

  1. Höhe der Verkaufsgebühren
  2. Komplexität in der Abwicklung

Wichtig wird u.a. sein, dass die Produktdatenanlieferung für die Händler möglichst einfach sein muss. Würde man hier Amazon als Vergleich heranziehen, dürfte dies jedoch nicht weiter schwer fallen. Jeder Amazon Marketplace-Händler wird bestätigen, wie umständlich und aufwendig es ist, seine Produkte auf Amazon feil zu bieten.

Hinsichtlich der Verkaufsprovision bewegt sich idealo, zumindest in der aktuellen erweiterten Betaphase, in moderaten Bereichen im einstelligen Prozentbereich.

Patrick Lohmeier, Unternehmenssprecher von idealo, erläutert hierzu:

Die Abrechnung erfolgt nach CPO (cost per order). Die Gebühr ist dabei abhängig von der angebotenen Warenkategorie und dem Wert der Ware und wird für jeden teilnehmenden Händler individuell ermittelt. Es handelt sich immer um einen Prozentsatz des Warenwerts ohne Grundgebühr.

Hinzu kommen, wie für den eigenen Onlineshop auch, die Paymentkosten. idealo bietet für die Zahlung „nur“ die technische Schnittstelle, jedoch keine Treuhandfunktion bzw. Paymentservice. Die Zahlung – egal ob via PayPal oder Kreditkarte – geht also direkt auf das PayPal- oder KK-Konto des Händlers. Entsprechend trägt der Händler auch eventuelle Gebühren, die für ihn genau so wie bei einem traditionellen Zahlungsweg über seine eigene Webseite anfallen würden.

Ein Wermutstropfen hierbei ist jedoch ganz klar: die Verkaufsprovision wird bei Retouren derzeit nicht zurückerstattet. Hier darf man gespannt sein, ob idealo dies dauerhaft durchhalten kann.

Man stelle sich nur mal vor, was Modehändler dazu sagen werden. Aber auch jedem anderen Händler – geht man von einer durchschnittlichen Retourenquote im E-Commerce von sieben Prozent aus – tut das weh. Es hängt aber letztlich auch ein Stück weit von der Höhe der Verkaufsgebühren ab.

Erfolgshemmend wirkt sich aktuell noch aus, dass mit PayPal und Kreditkarte (MasterCard und VISA) derzeit nur zwei Zahlarten angeboten werden. Wie Lohmeier versichert, ist jedoch geplant, alle gängigen Zahlungsarten wie Vorkasse, Sofortüberweisung, Lastschrift, per Nachnahme und auf Rechnung bis Ende des Jahres zu integrieren.

Generell bekräftigt Lohmeier im Gespräch, dass sich idealos Direktkauf nach wie vor in der Testphase befindet und noch nichts in Stein gemeißelt sei.

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idealo schon lange kein reiner Preisvergleicher mehr

Auffallend ist, dass idealo schon seit längerem kein reines Preisvergleichsportal mehr ist, sondern sich anscheinend mehr und mehr als erste Anlaufstelle für die Produktsuche positionieren möchte.

Etwas anderes bleibt ihnen aber auch gar nicht übrig. Ist Amazon doch schon längst erste Wahl, wenn Käufer nach Produkten suchen. Gleichzeitig versucht Google schon seit längerem Preisvergleichern das Wasser abzugraben bzw. deren Google Shopping und andere vergleichende Dienste in den Vordergrund zu rücken.

Bisher setzt idealo das für mein Empfinden auch recht geschickt um, indem sie bspw. auf einer guten Produktdaten-Basis mächtige Filterfunktionen anflanschen und so zur Online-Produktberatung mutieren.

Oder wie Alexander Hofmann, Geschäftsführer der HOWADO GmbH, in einem Blogkommentar feststellt: „Keine Preissuchmaschine hat eine vergleichbar ausgereifte und daten-mächtige Filterfunktion. Google und ebenso Amazon können dies auf die Schnelle niemals annähernd kopieren oder integrieren.

Als Praxisbeispiel führt Hofmann die aussagekräftige Suche nach einem Notebook an: 15,6″, mit Nummernblock, mattes Display (Arbeit auf Terrasse), Full-HD Auflösung, einmal bei idealo und einmal bei Amazon. Hier biete nur idealo einen schlüssigen Ansatz, bei dem man ca. 40 Notebooks finde und sich dann konkret zwischen diesen (z.B. anhand der Prozessorleistung) entscheiden könne. Amazon und auch Google würden laut Einschätzung von Hofmann hier versagen.

Gleichzeitig bietet idealo, bereits seit längerem, Endkunden auch eine Produktberatung via Live-Chat an und hat Testberichte auf seinem Portal integriert.

Die Einführung einer Direktkauf-Funktion untermauert die Möglichkeit, den Kunden noch enger an sich zu binden.

Fazit: Als Börsianer, der ich nicht bin, würde ich sagen, idealos Direktkauf ist eine klare Kaufempfehlung, gehört zumindest auf die Watchliste. Derzeit sehe ich keinen Grund für Online-Händler dies nicht zu testen. Keinen Sinn macht es möglicherweise, wenn man den Aufwand scheut, für Sortimente, die bei idealo noch nicht wirklich gut vertreten sind, wie Schuhe oder Mode.

Autorenfoto bewegt sich seit 1997 beruflich im Internethandel, gilt als E-Commerce Experte und verfügt über große gelebte Praxiserfahrung. Er ist Autor mehrerer Fachbücher und einer Vielzahl von Fachartikeln zu allen Aspekten des Onlinegeschäfts. Heute berät und begleitet er vor allem mittelständische Unternehmen im E-Commerce.
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7 Comments

  1. Welcher Händler hier mitmacht, kann nur bemitleidet werden. Wer nicht versteht warum, hat im ecommerce nix zu suchen. Daher ist dieser Lobgesang auf shopanbieter.de auch nicht ansatzweise nachvollziehbar.

    Peter Höschl Antwort vom Mai 6th, 2015 16:43:

    Danke für die Einschätzung. Aber warum ist der Direktkauf für Online-Händler Ihrer Meinung nach nicht sinnvoll?

    Kommentar by MaRu — 6. Mai 2015 @ 16:29

  2. … weil es so offensichtlich ist, dass es kracht

    idealo wird bereits durch die bemitleidenswerten Händler in der SERPs gestärkt, die unbedingt die paar Cent CPC sparen müssen und dafür das Idealo Logo verlinkt in ihren eigenen Shop einbinden. Nun noch die gesamte Customerjourney bei idealo enden lassen und bloß den Kunden nicht mit der eigenen Marke belästigen – perfekt.

    Warum überhaupt noch einen Shop betreiben? Am besten gleich zu Amazon; Kistenschieben kann man da eh am besten. Und dann noch gleich ins FBA …

    Und irgendwann gibt’s dann auch mehr Freizeit für die shopanbieter.de – Redaktion.

    Vielleicht nächstes Mal ein wenig mehr mit der Materie beschäftigen und nicht einfach die Wunschpressemeldung von Idealo übernehmen. Aber was macht man nicht alles für eine Hand voll Affiliate Euros.

    Peter Höschl Antwort vom Mai 8th, 2015 07:46:

    Kurz vorweg: Ihr Vorwurf wir würden uns kaufen lassen ist nicht nur falsch sondern auch unverschämt. Kann ich Ihnen leider nicht persönlich sagen, da sie sowas ja lieber anonym behaupten. – Mann, mann, mann!

    Aber zurück zum Thema:

    Grundsätzlich haben sie schon recht und wir weisen an anderen Stellen auch häufig genug darauf hin, wie wichtig die eigene Positionierung ist.

    Aber wie sieht denn die Praxis aus?

    1.
    Die wenigsten der schätzungsweise 400.000 Online-Händler in D haben ihr Controlling im Griff, wissen wo ihr Marketinggeld richtig – unter Berücksichtigung von Kosten, Retouren, etc. – investiert ist. Da ist es allemal besser auf CPO-Basis als auf CPC zu arbeiten.

    2.
    Über Amazon laufen bereits heute schätzungsweise 50% im E-Commerce in D (deren Eigenhandel und Marketplace-Händler). In ein paar Jahren werden es noch mehr sein.

    Da ist es allemal besser Alternativen zu nutzen, die a) Produkte nicht selbst verkaufen, b) günstiger sind und c) mir durchaus noch eine gewisse Positionierung / Eigenständigkeit erlaubt.

    3.
    Ja, es wäre eindeutig besser man hält sich den Besucher in den eigenen Shop und macht ihn dort zum Kunden. Die traurige Realität ist doch aber, dass die meisten Online-Händler keine 2 % Konversionsrate haben werden. Da werden die CPC-Kampagnen, noch dazu ohne richtiges Controlling siehe 1., aber zum teuren Grab.

    Kommentar by MaRu — 7. Mai 2015 @ 23:03

  3. Ja, es darf (und sollte) ja auch nicht jeder Harz4 Kandidat eine private Herzchirugie eröffnen. Einen Onlineshop ist kein Problem. Wo das hinführt, sollte ja wohl klar sein.

    AMAZON ist u.a. so stark, weil genau obige Kandidaten kräftig mithelfen, sich mittelfristig selbst abzuschaffen. Der Marketplace ist eben von den Cleveren für die Anderen gemacht. Genial – nur schlecht für die, die nicht verstehen damit umzugehen.

    Die genannte CR bestätigt obiges. Ohne Fachwissen am offenen Herzen zu operieren, wird halt häufig misslingen.

    Die einzige „Positionierung“ die dann bleibt, ist dann 404.

    Idealo bereitet sich nun clever auf Kosten der „Händler“ vor, einen eigenen Marketplace zu schaffen. Was bleibt ihnen auch – die Tage der stumpfen PCEs ohne Content nähern sich dem Ende, was die SERPs ja bereits heute andeuten.

    Kommentar by MaRu — 8. Mai 2015 @ 23:10

  4. 100% Zustimmung für MaRu. Jeder Händler sollte seine Hausaugaben in seinem eigenen Laden machen ….

    Kommentar by TOKO — 18. Mai 2015 @ 07:33

  5. Ich muss mich ebenfalls MaRu anschließen. Die Energie, die viel zu viele Händler in die verschiedenen Marketplaces investieren, sollten sie besser in den eigenen Shop und vor allem in Wissen investieren, wie sie unabhängig von den diversen Marketplaces langfristig existieren können.

    Man muss doch verstehen, dass man auf dem anderen Weg gewisse Marken mit aufbaut und stärkt. Am Ende ist man abhängig von diesen Marken.

    Wir haben uns entschieden nie unsere Produkte auf anderen Marketplaces anzubieten, sondern unsere Energie in den Aufbau der eigenen Marke zu stecken. Das dauert länger, aber wir sind der Meinung, dass es sich lohnen wird.

    Kommentar by Stephan — 22. Mai 2015 @ 10:01

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