Einspruch: Wetten, dass es so mit Shopware Connect wieder nichts wird?

Von: | 16. September 2016
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shopware-connectDas Shop-Netzwerk Shopware Connect geht nochmal an den Start. Trotz der hohen Teilnehmerzahlen zum Start, glaube ich im aktuellen Status quo nicht an einen durchschlagenden Erfolg: Technisch ist es top, aber am Konzept muss noch nachgebessert werden.

Als ich im April 2011 erstmals von dem Shopware Connect-Projekt hörte, war ich begeistert. Schien doch meine bereits ein paar Jahre vorher erstellte Blaupause eines Shop-Netzwerkes Wahrheit zu werden.

Zwei Namenswechsel und sicherlich etliche Entwickler-Mannmonate später, erblickte Shopwares Vernetzungsplattform für Händler zwei Jahre später dann unter dem Namen Bepado das Licht der Welt. Ich war immer noch begeistert, sah es jedoch damals bereits eher als Plattform für die Kommunikation und den Datenaustausch zwischen Hersteller, Händler und ggf. Publisher.

An das Händler-Händler-Ding glaube ich nicht und habe es nie getan, siehe meine seinerzeitige Einschätzung:

Hier werden sich viele Themen auftun, auf die schnell und adäquat reagiert werden muss. Beispielsweise, wenn ein Händler seine zugesagten Lieferzeiten nicht einhält, Retouren schlecht oder gar nicht abwickelt und sich dies geschäftsschädigend auf den Partnerhändler auswirkt. Oder wie hält man sich schadlos, wenn mir der Partnershop abmahnfähige Produktdaten bereitstellt?

Generell scheinen die Händler als künftige Nutzer der größte Unsicherheitsfaktor zu sein. Sehen sie vor allem die Chancen, die sich daraus ergeben oder schauen sie ausschließlich auf die durchaus vorhandenen Risiken und Herausforderungen?

Gleichzeitig, ist jedoch noch völlig offen welche Anwendungsbereiche sich, quasi als Nebeneffekt, aus Bepado ergeben.

Nachdem das Projekt für die Öffentlichkeit in letzter Zeit dahindümpelte, geht Shopware Connect jetzt nochmals an den Start. Und kann durchaus mit Erfolgszahlen aufwarten: „… bereits in den ersten Tagen haben sich über 700 Nutzer angemeldet und mehr als 30.000 Produkte hochgeladen.

Wird aber diesmal so wieder nicht klappen

Ich schätze Shopware als innovative Shop Software-Schmiede, liebe jeden einzelnen meiner Shopware-Kontakte und freue mich jedes Jahr auf den Shopware Community Day bzw. seine legendäre Strandparty. Aber warum sie jetzt schon seit Jahren ein totes Pferd reiten, kann ich nicht nachvollziehen. Wobei in diesem Fall das Pferd ja nicht mal tot ist. Nur reiten sie es dauernd in einem Canyon ohne Ausgang und glauben dabei in der freien Prärie zu sein.  

Nicht die Technik, sondern die Händler sind die Herausforderung

Ich durfte diese Woche, während der dmexco in Köln, die neueste Version, also den nächsten Versuch, sehen. Die Funktionen sind sauber und logisch gelöst und Shopware Connect ist für den Händler sehr einfach zu bedienen. Aus technischer Sicht ein gelungenes Stück Arbeit und sehr durchdacht. Das Ergebnis langjähriger Erfahrung auf hohem Niveau also.

Die große Herausforderung ist aber nun mal nicht technischer Natur, sondern das sind die Akteure, also die Händler. Ein paar Stolperfallen habe ich ja bereits vor zwei Jahren skizziert. Ein paar weitere Szenarien, die mir bei der dmexco-Vorführung spontan einfielen:

  • Die Händler nutzen Shopware Connect zwar als Lieferant, aber schlagen die Marge für den zweiten Händler einfach oben drauf. Nach dem Motto: Shopware Connect kostet mich ja nichts. Wenn der andere etwas verkauft ist das schön für mich.
  • Der Lieferant speist Markenware in Shopware Connect ein, liefert dann an den Endkunden aber B-Ware.
  • Der Lieferant nimmt Retouren nicht mehr zurück.
  • Der Händler verkauft die Ware, zahlt aber unter fadenscheinigen Argumenten seinen Lieferanten nicht aus.

Bei weiterem Überlegen würden mir sicherlich noch etliche weitere Stolperfallen einfallen. Das lässt sich sicherlich alles irgendwie regeln bzw. obliegt auch der kaufmännischen Sorgfaltspflicht der Akteure. Schließlich handelt es sich ja letztlich um eine ganz normale Lieferanten-Händler-Beziehung.

So sieht es auch Shopware und wird sich – Stand heute – in diese Beziehung nicht einmischen, sondern stellt „nur“ die technische Plattform bereit.

Und das wird nicht klappen! Marktplätze funktionieren doch unter anderem, weil diese kontrollierend und regulierend steuern und notfalls eingreifen.

Ich habe jetzt schon den Aufbau von zwei Marktplätzen – auch operativ – begleitet. Auch aus dieser Erfahrung heraus, kann ich mir nicht vorstellen, dass es mit Shopware Connect in dieser Form etwas wird. Sofern sich Shopware auf die technische Rolle begrenzt und die Händler untereinander einfach machen lässt. Ich glaube auch, dass Shopware in den ersten Jahren die Akteure stark „animieren“ werden muss, auf der Plattform Aktion zu machen und im Sinne des Erfinders zu nutzen.

Dass Händler sich anmelden und Produkte einstellen genügt ganz einfach nicht. Es muss ihnen verinnerlicht werden, welche Chancen und Potentiale in Shopware Connect schlummern, wenn es vernünftig genutzt wird und es eben nicht nur heißt: „Ach ja, ich stelle jetzt mal meine Produkte ein und schlage die Transaktionsgebühr für Shopware Connect einfach auf meinen Verkaufspreis drauf. Dann sehe ich ja was passiert. Kann nicht schaden und ist kein Aufwand.

Händler müssen erst einmal angeschoben werden, bevor sie sich bewegen. Ist aber auch kein Wunder, schließlich hat auch ihr Tag nur 25 Stunden.

Wetten, dass es so kein großes Ding wird?

Gang nach Canossa - Eintrittskarte - RetroSollte ich Unrecht haben, trete ich zum nächsten Shopware Community Day gerne den Gang nach Ahaus im Büßergewand an. Shopware, schlägst Du ein?

Aber egal wie es kommt – ich werde hoffentlich dennoch schon bald von den ersten Transaktionen und Händlererfolgen bei Shopware Connect berichten.

Bildquelle: Gang nach Canossa, sulupress by fotolia

Autorenfoto bewegt sich seit 1997 beruflich im Internethandel, gilt als E-Commerce Experte und verfügt über große gelebte Praxiserfahrung. Er ist Autor mehrerer Fachbücher und einer Vielzahl von Fachartikeln zu allen Aspekten des Onlinegeschäfts. Heute berät und begleitet er vor allem mittelständische Unternehmen im E-Commerce.
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10 Comments

  1. Kann man sicherlich zustimmen – wobei ich mich fragen würde, ob es nicht doch Händler-Lieferanten-Beziehungen gibt bei denen dies durch Shopware funktioniert. Wobei es ja eigentlich eher Zufall wäre, dass die auf derselben Plattform wären.

    Im Übrigen kann man ähnliche Vorbehalte auch den den JTL-Cloud-Logistik-Ansatz der auf der JTL-Connect mit viel Zuversicht vorgetragen wurde vortragen.

    Dort bin ich diesbezüglich ähnlich skeptisch – und als WaWi wäre JTl vermutlich eher geeignet solche Ansätze zwischen Lieferanten und Händlern zu forcieren als ein reine Shopsystem.

    Kommentar by Michael Wiechert — 18. September 2016 @ 21:38

  2. Klar wird es funktionierende Händler-Lieferanten-Beziehungen geben. Meiner Einschätzung nach halt, im Vergleich mit dem Potential, nur relativ wenige.

    JTL Fulfillment Network könnte etwas anders werden, da hier ja auch Fulfillmentdienstleister und nicht nur Händler untereinander vernetzt werden.

    Kommentar by Peter Höschl — 19. September 2016 @ 08:47

  3. @Peter

    naja, es hat bislang ja auch niemanden daran gehindert als Lieferant oder Großhändler bepado zu nutzen um seine Produkte und Produktdaten an Händler zu distributieren, oder?

    Kommentar by Michael Wiechert — 19. September 2016 @ 12:40

  4. Lieferanten und Großhändler können auch weiterhin ihre Produkte in Shopware Connect distribuieren. Dass dafür ein Shopware Shop benötigt wird, sollte keine Hürde sein. Ich glaube beim derzeitigen Konzept halt nur nicht an das erfolgreiche Händler-Händler-Ding.

    Aber, einmal eine andere Frage, an Dich als Händler: Angenommen, es gibt passende Händler für Deine Produkte im Netzwerk.

    Welche Produkte wirst Du in Connect reinkippen – alle Produkte oder nur bestimmte, zB. nur Eigenmarken, nur Ausprodukte, nur Restbestände, nur Renner, nur Penner …?

    Kommentar by Peter Höschl — 19. September 2016 @ 14:54

  5. „Lieferanten und Großhändler können auch weiterhin ihre Produkte in Shopware Connect distribuieren. Dass dafür ein Shopware Shop benötigt wird, sollte keine Hürde sein. Ich glaube beim derzeitigen Konzept halt nur nicht an das erfolgreiche Händler-Händler-Ding.“

    Nicht anderes hab ich bzgl dem JTL-Logistik-Ansatz geschrieben, woraufhin du mir mit professionellen Fulfillmentdienstleistern gekontert hast (was ja nicht den Charme- und Euphorie-Faktor hat)

    Vermutlich hatten wir uns dort missverstanden.

    Kommentar by Michael Wiechert — 19. September 2016 @ 21:08

  6. Zu deiner anderen Frage:

    Natürlich machen wir Bereich personalisierter Produkte bereits heute Kooperationen – teils auf Gegenseitigkeit, sprich beide listen Produkte des anderen im jeweiligen Shop. Im Regelfall unter expliziten Verbot von Amazon-Listings.

    Wenn ich aber ganze eingekaufte Sortimente anderen zur Verfügung stelle werde ich zum Zwischenhändler.

    Wenn ich eigenkreierte Sortimente anderen zur Verfügung stelle zum b2b-Großhändler.

    Beides sind völlig andere eschäftsfelder als b2c und entweder man macht diese richtig oder lässt es gleich sein

    Kommentar by Michael Wiechert — 19. September 2016 @ 21:12

  7. Welche personalisierte Produkte lassen sich denn über andere Shops vertreiben oder sind das „veredelte Whitelabel-Produkte“?

    Vom Kunden personalisierbare Produkte werden es ja wohl nicht sein, dann müsstest Du bzw. der andere Händler ja einen Konfigurator o.ä. für die Produkte des anderen anbieten.

    Kommentar by KLaus Fischer — 20. September 2016 @ 04:00

  8. Das entsprechende Plugin ist ab 5.2 kompatibel. Hoch angepasste Shops müssen da erst einmal hinkommen ;-). Daher können wir es gar nicht testen, haben jedoch Bedenken bez. DC bei der Produktdatenweitergabe. Weiterhin halten wir Branchenlösungen für sinnvoller. Testen würde wir es sicher einmal, siehe oben. Rene.

    Kommentar by Rene — 20. September 2016 @ 13:20

  9. @Klaus

    „Personalisiert“ meint hier im Wesentlichen mit Namen / Spruch / Datum versehen – da braucht es keine aufwendigen „Konfiguratoren“ mit denen der Kunde eh nicht klarkommt sondern lediglich ein Feld zur Texteingabe.

    Kommentar by Michael Wiechert — 23. September 2016 @ 08:12

  10. […] Kurze Anmerkung am Rande: Dies mag aber auch daran liegen, dass eBay es seinen Verkäufern durch ständige Änderungen der Rahmenbedingungen auch manchmal schwer machte zu verkaufen. Anders als etwa Amazon. Hier haben Händler weniger Freiheiten und Möglichkeiten. Mit allen Vor- und Nachteilen. Dies bringt mich wieder zu meiner kürzlichen Aussage dass Marktplätze nur erfolgreich sind, wenn diese kontrollierend und regulierend steuern und notfall…. […]

    Pingback by Einspruch: Vergesst eBay nicht! » Blog für den Onlinehandel — 23. Oktober 2016 @ 18:04

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